Bernhard Käser   Vitas-Stressmanagement   Tel: 089/ 23 23 06 70   bk@vitas-institut.de

Gefühle bestimmen unser Leben – ob wir wollen oder nicht

Wir investieren viel Zeit und Geld, um bestimmte Gefühle zu vermeiden und andere möglichst oft zu erfahren. Was Gefühle jedoch sind und wozu wir sie überhaupt haben, ist uns meist nicht bewusst.
Alle Gefühle die wir erleben sind immer ein Hinweis auf Bedürfnisse! (siehe Bedürfnisse)

Ziel
Alle Gefühle bewusst wahrnehmen, erkennen, zulassen, ihre Kraft erleben, Neubewertung.
(Neubewertung bedeutet oft Verzeihen, Respekt, Dankbarkeit, Mitgefühl. Loslassen, für sich selbst und andere.)

Mit der frei werdenden Energie sind Sie in der Lage, Ihr Leben wieder leichter, fließender, genussvoller, lebendiger zu empfinden.

Sie erleben Ihren Körper als kraftvollen Erzeuger „aufbauender“ Gefühle und auch als Speicher eingefrorener „unguter“ Gefühle, bzw. gestauter Emotionen. Vor allem Muskeln, aber auch alle anderen Körperzellen, speichern Gefühle im Körper – ein Leben lang. Lernen Sie die Wechselwirkung von Gefühl, Denken und Körper kennen.

Der Körper ist eine große biochemische Fabrik:

Eine einzige Aktion im Organismus löst immer eine Kettenreaktion aus. Bereits ein einziger negativer Gedanke löst Reaktionen aus, wenn er intensiv genug ist. Er muss einen gewissen Schwellenwert überschreiten, dann werden Stresshormone freigesetzt.

Damit verbundene Erlebnisse werden im Gehirn hochgeladen. (Opfermodus) Ich werde in diesem Moment „gefühlt“ und „gedacht“. Wenig Wahlmöglichkeit, gezielt zu denken.

Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen realer Bedrohung und „eingebildeter“ Bedrohung.

Dieser irrtümlich als Bedrohung aufgefasste Gedanke alarmiert den Körper. Die Biochemie steigert kurzfristig die Leistungsfähigkeit und Wachheit.

Wenn der Stress zu lange dauert, gibt es eine starke Gegenregulation (Homöostase). Die Reaktion dreht sich herum. Durchhänger, Müdigkeit, Abspannung, Depression, Schmerz.

Gehirn-Denken-Fühlen

3 Haupt-Gehirne (ganz vereinfacht)

• Rationales Gehirn / Bewusstes Denken
• Lymbisches Gehirn / Filtergehirn / Gefühle
• Reptiliengehirn / Flucht – Kampf – handlungsgelähmt – Atmung (alle automatischen Körperprogramme)

Alle 3 Gehirne müssen immer durch den Filter, sprich das Lymbische System.

Filter: Unsere gesamten unbewussten und bewussten vergangen Erlebnisse und Eindrücke, Glaubenssätze, Konditionierungen, Wertvorstellungen, Maßstäbe.

Das Reptilien Gehirn ist mit Abstand das Schnellste. Es ist für das Überleben konstruiert.

Sobald wir unsere Routine verlassen wird das Reptiliengehirn aktiv > Stress > Denkblockade.

Das „Angst-, Gefahren-Gehirn“ (Reptilien-Gehirn)

Dieses Gehirn reagiert viel schneller als das „Wohlfühlgehirn“.
Angst und Gefahr funktioniert im Gehirn wie ein Klettverschluss, sie haken sofort ein – und fort ist das Wohlbefinden. Das “Wohlfühlgehirn” ist wie eine Teflonschicht.

Wenn wir angenehme Gedanken, Empfindungen, Erlebnisse nicht bewusst länger (mindestens 10 Sekunden) in unserer bewussten Wahrnehmung halten sind sie von der Teflonschicht heruntergerutscht. Wenn Sie es jedoch schaffen, dem Wohlgefühl ca. 10 Sekunden durchgehend Aufmerksamkeit zu geben, dann wird es im Gehirn besser abgespeichert.

Um eine negative Erfahrung im Gehirnspeicher zu “Überschreiben / Löschen”, braucht es ca. 5 gleichwertige/ gleichstarke positive Erfahrungen. Jetzt wundern Sie sich vielleicht nicht mehr, was nach einer emotionalen Verletzung durch einen anderen Menschen passiert. Es braucht viele gute Erlebnisse mit dieser Person, bis Sie wieder volles Vertrauen haben.

Unser Gehirn reagiert  immer noch auf gleiche Weise wie beim Steinzeitmenschen. Für diesen war ständiges Misstrauen, Vorsicht, ständige Bereitschaft, Gefahren wahrzunehmen, überlebenswichtig. 99 % der Zeit seit es uns Menschen gibt  – 3,6 Millionen Jahre – Steinzeitmensch. Erst seit 12 000 Jahre “moderner” Mensch. So schnell hat unser Gehirn keine neue Software bekommen.

Sedona-Methode

Nehmen Sie eine festgefahrene Emotion oder einen inneren Zustand, den Sie verändern möchten, z.B. Groll oder Angst und beantworten Sie dann folgende Fragen:

1. Könnte ich mir erlauben, dieses Gefühl voll und ganz zu fühlen? Was fühle ich jetzt, in diesem Moment?
2. Könnte ich dieses Gefühl willkommen heißen?
3. Könnte ich dieses Gefühl loslassen? Könnte ich es loslassen?
4. Wäre ich bereit dazu?
5. Wann?
6. Hat sich an meinem Gefühl etwas verändert?

Aufgabe: Viele, viele bereits kleinste Wohlfühlerlebnisse/ Empfindungen täglich “abspeichern”. Also nicht nur das Festessen, den Jahresurlaub, die Beförderung… sondern unsere ganzen “Selbstverständlichkeiten”, wo wir meist keine Gedanken dran verschwenden.

(z.B. keine aktuellen Körperschmerzen, angenehm gesättigt sein, ruhige Umgebung, Sonnenschein, friedliches Miteinander; Dankbarkeit für 1000 kleine Dinge die unser Wohlstand mit sich bringt: Wasser aus dem Wasserhahn – für Milliarden Menschen keine Selbstverständlichkeit, ein Dach über dem Kopf, Heizung, genügend Nahrung und sauberes Trinkwasser, gewaltfreie Umgebung, Frieden im Außen…)

Bedeutet: Sie haben mehr Kontrolle über die Angst- Gefahrenmeldestation im Gehirn!

Die fünf Hauptgruppen von Empfindungen im Überblick:

  1. Körperliche Empfindungen
  2. Biologische Programmierungen
  3. Reine Gefühle
  4. Emotionen
  5. Fähigkeiten oder Zustände

1. Körperliche Empfindungen

Zu den körperlichen Empfindungen zählen alle fünf Sinne- Riechen, Schmecken, Sehen, Tasten und Hören. Der Ausdruck Gefühl ist jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch in der Regel dem Tastsinn vorbehalten. Körperlicher Schmerz darf in dieser Auflistung natürlich auch nicht fehlen.

2. Biologische Programmierungen

Als biologische Programmierungen bezeichne ich eine ganze Ansammlung von Gefühlen, die ihren Ursprung in unserer Tiernatur haben – Triebe wie Hunger, Durst, sexuelle Erregung, Eifersucht, Gier, Neid, Muttergefühle, Verliebtheit, biologische Angst und Aggression.

Biologische Programmierungen oder Instinkte können in unserem System mit die stärksten Empfindungen überhaupt auslösen – nicht selten rein nach dem Diktat unserer Triebnatur, deren Anliegen oft konträr zu dem sind, was wir gesellschaftlich, moralisch oder ethisch als schicklich betrachten. Ihre einzige Aufgabe ist es, unser Überleben zu sichern. Sie sollen uns nicht glücklich, tolerant, mitfühlend oder beziehungsfähig machen. Sie sollen uns einfach nur am Leben erhalten und dafür zu sorgen, dass wir uns möglichst effizient fortpflanzen.

Die Unterscheidung von Gefühl und biologischer Programmierung ist außerordentlich wertvoll, da wir mit beiden unterschiedlich umgehen müssen, denn beide erfüllen verschiedene Funktionen.

3. Reine Gefühle

Als reine Gefühle bezeichne ich fünf Urkräfte in unseren System: Wut, Angst, Trauer, Freude, Scham. Diese Gefühle haben sich zu einem späteren Zeitpunkt entwickelt als die biologischen Programmierungen und sind in den Tieren nur ansatzweise zu finden. Die reinen Gefühle sind Kräfte, die wir brauchen, um als Individuen mit der Welt und unseren Mitmenschen in Beziehung zu treten. Reine Gefühle haben also eher eine soziale als eine Überlebensfunktion. Wir können lernen, diese Kräfte bewusst zu erzeugen und einzusetzen.

 4. Emotionen

Als Emotionen bezeichne ich akkumulierte, angestaute und unerlöste Gefühle. Diese können rein – also Wut, Angst, Trauer, Freude und Scham – oder auch vermischt auftreten. So genannter emotionaler Schmerz ist auf große Mengen angestauter Emotionen zurückzuführen. Emotionen sind Gefühle, die nicht gefühlt und daher auch nicht als Kräfte eingesetzt werden können.

5. Fähigkeiten oder Zustände

Zu den Fähigkeiten oder Zuständen zähle ich Liebe, Mitgefühl, Hingabe, Annahme und Vertrauen. Meiner Erfahrung nach handelt es sich bei diesen so genannten Gefühlen eigentlich um die Fähigkeit, uns in bestimmte Zustände zu versetzen. Wir können diese Fähigkeiten entwickeln, wenn wir uns dazu entschließen.

Wie entsteht ein Gefühl?

Ein Gefühl entsteht aus der Interaktion von Gedanke und Umwelt. Ein Gefühl ist die Kraft, durch die das System mit seiner Umwelt in Austausch treten kann, aktiv werden kann. Je nachdem, mit welcher Situation ein System konfrontiert ist, gibt es mehr oder weniger nützliche Gefühle. Wer kennt das nicht, das falsche Gefühl zur falschen Zeit?

Gerade wenn wir es am wenigsten brauchen können, macht uns das Lampenfieber einen dicken Strich durch die Rechnung und droht, das Bewerbungsgespräch zu vermasseln. Und egal wie gut wir uns vorbereitet haben, Prüfungsangst hat schon die Besten durch das Examen fallen lassen. Wenn Haltung alles ist, schießt uns die Schamesröte ins Gesicht oder die Tränen ungebeten in die Augen.

Das falsche Gefühl am falschen Ort ist ein Phänomen, mit dem sich eigentlich jeder schon herumschlagen musste, weshalb nicht wenige zu dem offensichtlichen Schluss gekommen sind: Fühlen? Nein danke. Dann doch lieber ganz ohne. Außer vielleicht…ja, außer natürlich der Freude.

Um zu begreifen, warum wir nicht mehr Freude erzeugen, wenn wir uns doch alle so nach ihr sehnen, müssen wir erst einmal verstehen, wie Gefühle im Allgemeinen entstehen bzw. wie wir sie erzeugen. Erst wenn wir das verstanden haben, können wir auch die Funktion jedes einzelnen Gefühls, jeder Kraft wirklich erfassen. Und dann wird uns auch klar, warum es in unserem System nicht nur Freude gibt- und warum das genau richtig ist!

Gefühle werden erzeugt

Die meisten Menschen sind sich der Tatsache, dass sie ihre Gefühle selbst erschaffen, nicht im Geringsten bewusst. Sie erleben sie als willkürliche, irrationale Empfindungswallungen, die irgendwo in den Tiefen des Unterbewusstseins einen mysteriösen Ursprung haben. Von dort scheinen sie uns jederzeit und ohne Vorwarnung, auch gern in den ungünstigsten Momenten, zu überfallen.

Dieses Erleben ist gewiss einer der Hauptgründe, weshalb Gefühle häufig gemieden und nicht selten sogar als Hindernisse für Glück und Erfolg betrachtet werden. Angst könnte einem in die Quere, wenn man die Schöne an der Bar ansprechen möchte, Wut überkommt einen ganz ungebeten, wenn die Ampel just vor einem auf Rot schaltet. Trauer steckt uns wie ein Kloß im Hals, gerade wenn wir feiern wollen, und das eine Gefühl, die Freude, der wir eigentlich dauernd hinterher jagen, stellt sich nur allzu selten ein.

Die Behauptung, dass wir unsere Gefühle selbst erschaffen, erscheint vielen Menschen daher absurd: Wer würde denn schon Angst erschaffen, wenn sie einen doch nur lähmt und die Stimme zittrig macht? Wer will denn schon auf eine Ampel wütend sein? Warum sollte ich diese Gefühle in diesen Situationen erschaffen, wenn ich doch genauso gut Freude erzeugen könnte? Und vor allem, wie erzeuge ich sie denn, wenn ich davon offenbar gar nichts mitbekomme?

Der Zusammenhang von Gedanke und Gefühl

Wie bereits erwähnt, entsteht ein Gefühl aus der Interaktion von Gedanke und Umwelt. Gedanke und Gefühl sind also nicht, wie häufig angenommen , Gegensätze, sondern bedingen einander. Gefühle spiegeln Gedanken, da sie von ihnen und durch sie ausgelöst werden. Ein Gefühl basiert demnach auf der Interpretation, die mein Verstand von seiner Umgebung trifft.

Beispiel für unterschiedliche Interpretationen, Gefühle und (Handlungs-) Bedürfnisse

Ich möchte das an einem einfachen Beispiel erklären. Wenn ich ein Kind in einem Zimmer sitzen sehe, so kann dies in meinem System die unterschiedlichsten Gefühle auslösen, je nachdem, für welche Interpretation sich mein Verstand entscheidet. Nicht erläutert ist, in welcher Stimmung sie das Kind vorfinden. Dies allein kann Ihre Interpretation sofort grundlegend verändern.

Ich könnte mich dazu entschließen, die Tatsache, dass dieses Kind allein in diesem Zimmer sitzt, als falsch zu betrachten. Durch diese Interpretation würde in meinem System Wut aktiviert, die mich darin unterstützen würde, aktiv zu werden und etwas an der Situation zu verändern. Ich könnte hinausstürmen und die Mutter des Kindes suchen oder ich könnte in das Zimmer gehen und das Kind ansprechen, das Fenster aufreißen, telefonieren etc. Wutkraft würde mich befähigen, Klarheit darüber zu haben, welche der vielen möglichen Handlungen ich, ohne zu zögern, in die Tat umsetze.

Ich könnte mich allerdings ebenso dazu entschließen, die Tatsache, dass dieses Kind allein in diesem Zimmer sitzt, als schade zu betrachten. Ich würde traurig werden. Trauer würde sich in meinem ganzen System ausbreiten und ich würde anerkennen, dass ich nichts tun kann, um die Situation dieses Kindes in diesem Zimmer zu verändern. Ich könnte vielleicht etwas zögerlich auf das Kind zugehen und ihm mein Mitgefühl ausdrücken, jedoch wäre zu jedem Zeitpunkt klar, dass ich eigentlich nichts tun kann und dass ohnehin alles vergebens ist.

Ich könnte es auch als furchtbar ansehen, dass dieses Kind allein in diesem Zimmer ist. Ich würde Angst erzeugen, wodurch ich anerkennen würde, dass etwas hier grundsätzlich falsch ist und dass ich keine Macht habe, es zu ändern. Ich würde mein System in einen Zustand versetzen, der es auf den Umgang mit dem Ungewissen und Unbekannten vorbereitet: Muss ich fliehen? Bin ich bedroht? Ist das Kind bedroht? Warum ist es allein?

Eine weitere mögliche Interpretation der Situation des Kindes wäre: Es ist richtig dass dieses Kind da in diesem Zimmer sitzt. Ich würde Freude erzeugen. Schön, dass da ein Kind sitzt. Freude würde es mir ermöglichen, dem Kind zu zeigen, dass es schön ist, dass es richtig ist, wo es ist und was es ist und wie es ist. Und Freude würde mir auch die Kraft geben, zu spüren, dass ich richtig bin, hier bei diesem Kind in diesem Zimmer. Ich würde mich an der natürlichen Ordnung der Dinge erfreuen, ohne einzugreifen. Oder ich würde mich freuen weil ich die feste Meinung habe, dass es richtig ist, wenn Kinder alleine in Zimmern sitzen. Schließlich kann ihnen dort nichts passieren und sie können keinen großen Schaden anrichten.

Eine weitere Interpretation wäre, dass ich falsch bin, sonst würde dieses Kind nicht allein in diesem Zimmer sitzen. Ich würde Scham erzeugen. Vielleicht bin ich zu spät gekommen, um das Kind abzuholen. Scham würde mir meinen Fehler schmerzlich bewusst machen und mich dadurch drängen, mich in Zukunft anders zu verhalten.

Gefühle entstehen durch die Interpretation, die wir über unsere Umgebung treffen. Die gewählte Interpretation definiert, wie wir uns zu einer gegebenen Situation positionieren, welche Stellung wir beziehen. Das erzeugte Gefühl hat die natürliche Funktion, der gewählten Position gerecht zu werden und uns darin zu unterstützen, diese Position zu vertreten.

Der emotionale Getränkeautomat

Um die Verknüpfung von Gedanke und Gefühl näher zu veranschaulichen, möchte ich gern das Bild eines Getränkeautomaten heranziehen, wie er oft in Selbstbedienungsrestaurants verwendet wird. Bei diesem Modell befindet sich oben eine Leiste mit beschrifteten Knöpfen, unten befinden sich die Düsen, aus denen dann das entsprechende Getränk ausgeschenkt wird. Die obere Knopfleiste steht in diesem Fall für unsere mentale Ebene, die verschiedenen Knöpfe für die Interpretationen  falsch, schade, furchtbar, richtig und schuldig (bzw. “Ich bin falsch”)

Treffe ich in irgendeiner Situation die Interpretation, dass etwas falsch ist, so kommt im Idealfall unten das entsprechende Getränk bzw. die entsprechende Kraft heraus – die Wut.

Solange ich mir dessen bewusst bin, dass ich diesen Knopf drücke, die Knöpfe richtig beschriftet und mit den entsprechenden Getränkekanistern verkabelt sind, funktioniert dieser Automat einwandfrei. Leider sind sich viele von uns der Verbindung zwischen den Interpretationen der mentalen Ebene und den dadurch ausgelösten Reaktionen auf der emotionalen Ebene nicht bewusst. Daher verhalten wir uns nicht selten wie Menschen, die unermüdlich auf den Limonade-Knopf eines Getränkespenders drücken und verzweifelt zusehen, wie das Glas überläuft. Wir merken gar nicht, dass es unsere Hand ist, die den Automaten bedient. So sehen wir auch nicht, dass unser Finger auf den Knopf drückt, der Wut erzeugt, weil wir nicht sehen, dass es diese Knöpfe überhaupt gibt! Wir bemerken nicht, dass dem Auftreten von Wutkraft in unserem System eine ganz bestimmte Interpretation vorangeht -nämlich “Das ist falsch”. In dem Moment, in dem wir uns dieser Interpretation bewusst werden, ist es, als würden wir plötzlich unseren eigenen Daumen sehen, der immerzu auf den Limonade-Knopf drückt, obwohl unser Glas längst voll ist oder wir vielleicht Saft oder Wasser haben möchten!

Um jedoch zu wissen, welche Kraft wann nützlich ist und daher zu entscheiden, welcher Knopf, wenn überhaupt einer, denn nun gedrückt werden soll, muss ich genauer wissen, wozu die einzelnen Kräfte dienlich sind – und wozu nicht.

Wir brauchen Wutkraft um…

  • klar “Nein” zu sagen.
  • klar “ja” zu sagen.
  • Entscheidungen zu treffen.
  • Klarheit zu haben.
  • für andere greifbar zu sein.
  • eine klare Position zu beziehen.
  • ernst genommen zu werden.
  • Dinge ins leben zu rufen oder ihnen ein klares Ende zu setzen.
  • vital und aktiv zu sein.
  • klare Ziele zu haben.
  • zu wissen, was wir wollen.
  • zu entscheiden, wer wir sind.
       Die Kraft der Trauer brauchen wir, um…
  • unser Herz, der Liebe zu öffnen.
  • anzunehmen.
  • loszulassen.
  • wertzuschätzen.
  • eine Position aufzugeben.
  • unsere Hilflosigkeit anzuerkennen und anzunehmen.
  • sowohl mit unseren Wünschen als auch mit den Tatsachen Frieden zu schließen.
  • uns zu kümmern.
  • in die Tiefe zu gehen.
  • Weisheit zu entwickeln
       Wir brauchen Angstkraft, um…
  •  kreativ zu sein
  • Auswege und Lösungen zu finden, wenn uns keine bekannt sind.
  • unsere Lebensaufgabe zu finden.
  • wirklich leben zu können.
  • bedingungslos lieben zu können.
  • Abenteuer zu erleben.
  • uns auf das Ungewisse einzulassen und dem Mysteriösen zu öffnen.
  • Grenzen zu überschreiten und über uns selbst hinauszuwachsen.
  • uns zu entwickeln.
      Wir brauchen Freude, um…
  • das Leben zu genießen.
  • zu lieben.
  • die Dinge mit Humor zu nehmen.
  • zu wissen, wer wir sind und was uns ausmacht.
  • unsere Lebensaufgabe zu finden und ihr nachzukommen.
  • Führungspositionen einzunehmen.
  • gesunde Beziehungen zu führen.
  • inneren Frieden zu haben.
  • Charisma zu entwickeln
       Wir brauchen Scham, um…
  • unsere Grenzen, Fehler und Schwächen zu erkennen.
  • zu erkennen, dass wir keine Übermenschen sind.
  • Demut zu entwickeln.
  • uns selbst als unvollkommen anzunehmen.
  • Selbstliebe zu entwickeln
  • auf authentische Art um Verzeihung zu bitten.
  • unsere Stärken in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

(Buch: Gefühle / eine Gebrauchsanweisung / Amana Virani / edition est Verlag)

Keine Angst vor Angst, Ärger, Schuld, Peinlichkeit, Schmerz, Scham, Enttäuschung, Traurigkeit, Frustration. Diese Gefühle werden erst einmal bewusst wahrgenommen. Sie können „erlöst“, und innerlich in Fluss gebracht werden. Sie sind auch große Kraftspender. Es sind oft jahrelang eingefrorene Empfindungen. Wir trauen uns nicht mehr an diese Gefühle, weil sie mit viel Schmerz verbunden sind. Wenn wir sie als Kinder selbstverständlich geäußert haben, gab es oft riesigen Ärger. (Inner Reisen – Klaus Lange Hamburg)

Der Schmerz ist es, der uns wachsen lässt. Schmerz hat mit Trennung zu tun –  ich fühle mich getrennt von mir selber, von meiner Umgebung. Der Schmerz erzeugt eine tiefe Sehnsucht diese Trennung zu aufzulösen. In jedem Menschen sind diese Schmerzen, tiefste Gefühle der Verlassenheit, Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit, des Ausgeliefertseins, überdeckt von Angst, Wut, Scham und Trauer.

Scham ist die lähmendste aller Gefühle. Das am weitesten verdrängte Gefühl, vor der wir uns am meisten fürchten. Wir empfinden Scham als den totalen Kontrollverlust, wir möchten am liebsten sofort tot sein.

Als kleines Mädchen, als kleiner Junge kamen wir zu der Überzeugung: “Ich werde nicht geliebt und muss alles tun, um geliebt zu werden”. Damals brauchten wir die Liebe von außen, um zu überleben. Und aus Angst, die Liebe zu verlieren, lernten wir, uns zu verraten, zu verleugnen, zu verkaufen. So laufen wir der Liebe nach und laufen ihr eigentlich davon. Machen, mehr Leistung, mehr Erfolg, schneller besser, schöner, größer, weiser, klüger – dann werde ich geliebt. Wir verstricken uns in diesem Kampf, in der Kontrolle, in äußeren und inneren Zwängen.

Sind “negative” Gefühle schädlich?

Unsere Stiefbeziehung zu negativen Gefühlen sitzt so tief, dass viele Menschen inzwischen der Meinung sind, diese Gefühle seien nicht nur unangenehm, sondern sogar schädlich. Margareth E. Kemeny, Professorin für Psychiatrie an der Universität San Francisco, erforscht seit Jahrzehnten intensiv die Zusammenhänge zwischen unserem Emotionalleben und unserem Immunsystem. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen überraschten sie selbst.

Sie stellte fest, dass spontan zugelassenen und ausgedrückte Gefühle, egal ob “positiv” oder “negativ”, das Immunsystem exakt gleich beeinflussen. Im Experiment ließ jedes spontan erzeugte und zugelassene Gefühl die Aktivität der Immunzellen im Allgemeinen und die Anzahl der Helferzellen im Besonderen ansteigen. Der Körper war für die Dauer des erfahrenen Gefühls widerstandsfähiger als ohne das Gefühl – und dies zeigte sich bei Freude, Angst, Wut und Trauer!

Die Idee, dass so genannte negative Gefühle an sich schlecht für uns sind, ist also nicht haltbar. In Gegenteil! Das Immunsystem reagiert offenbar gleich auf spontan erzeugte und ausgedrückte Trauer wie auf Freude, wie auf Wut, wie auf Angst.

Nur wenn eines dieser Gefühle zu einer Emotion angestaut wurde und dadurch der Körper in einen quasi permanenten Erregungszustand versetzte, zeigten sich eindeutig negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Unser Herz, da wo die Liebe wohnt, sagt: ” Du bist ja schon da, lass los. Hier und jetzt findet Dein Leben statt. Lerne Dich selbst anzunehmen, mit all Deinen Facetten. Lerne Dich selbst zu lieben. Das hat nichts mit Ego züchten zu tun, im Gegenteil. Diese gesunde Selbstliebe zu lernen ist die eigentliche Lebensaufgabe. (siehe auch bei Strategien!)

Alle Gefühle wahrnehmen
• annehmen und anerkennen
• zulassen
• loslassen
• dann erst handeln, wenn überhaupt notwendig

Alle Abläufe im Körper und in der Natur sind Wellenverläufe. Es gibt keine Gerade, es gibt kein nur ´Oben´, es gibt nur Wellenverläufe. Die Angst vor den „negativen“ Gedanken, sie mit aller Macht unterdrücken zu wollen, ist nicht das Mittel der Wahl. Denn auch die heftigste innere Zerrissenheit ändert sich.

Alle Gefühle die wir erleben sind immer ein Hinweis auf Bedürfnisse! (Siehe Bedürfnisse)

Das bewusste Wahrnehmen aller Gefühle ist ein zentraler Schlüssel zur inneren Freiheit.
>Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt (Hermann Hesse)